Archiv für den Monat: September 2012

Neuer Server, alte Webseite

Während unserer Kernteamsitzung letzte Nacht hatten wir hauptsächlich 3 Punkte.

Der Erste betraf unseren Releaseplan bis Ende 2012. Ich hatte dafür Vorschläge bezüglich eines groben zeitlichen Verlaufs gemacht und diese wurden mit der Möglichkeit von kleinen Änderungen in der Durchführung bestätigt. Hier ist die grobe Planung:

  • ~2012-10-15 noX Entwickler Release
  • ~2012-11-01 normales Release (KDE, XFCE, LXDE, Razor-qt)
  • ~2012-11-20 Gnome Entwickler Release
  • ~2012-12-16 Weihnachts Special (muß noch ausgearbeitet werden)

Da Wheezy in 2012 nicht mehr veröffentlicht werden wird [RC Bug Zähler: **529 ** heute] erwarten wir keine Probleme aus dieser Richtung. Mit noX und Gnome bekommen wir zwei neue Mitglieder in unserer Flavour-Familie. Ich denke, daß damit fürs Erste unsere Flavour-Liste komplett ist.

Der zweite Punkt wurde sehr kontrovers diskutiert, was zu erwarten war. Wir haben, seit wir siduction gestartet haben, an einer neuen Webseite gearbeitet, die auf Joomla basieren sollte, eingeschlossen darin ein neues Forum. Der Hauptgrund dafür war, etwas Frisches, Eigenes zu haben und von Zikula  weg zu kommen, der Software, die siduction.org jetzt unterstützt. Unglücklicherweise stellte sich heraus, daß niemand die Zeit hatte, diesen Job auch zu Ende zu führen. Wir haben in dieser Beziehung klar ein größeres Stück abgebissen als wir kauen können.

Um diese Bemühungen zu einem guten Ende zu bringen, hatte ich vorgeschlagen daß wir jemandem ca. 300€ zahlen um das Projekt fertig zu stellen und ein Jahr lang zu unterstützen. Nach einer heißen Diskussion wurde dieser Vorschlag in einer knappen Abstimmung abgelehnt. Die vorgeschlagene Alternative ist ein Neustart mit SMF (Simple Machines Forum) anstelle von Joomla. Schauen wir, wie das fortschreitet.

Der 3. Punkt war, einen 2. Server in die Hände zu bekommen. Wir haben einen leistungsfähigen Build-Server zum Testen unserer Builds, Release-Images und unserer Kernel.  Der Rest unseres Webauftritts (Forum, Chili-Entwickler-Plattform, git) liegt bisher auf produktiven privaten Servern, die für unser Team nicht leicht zugänglich waren. Wir wollen diese Dinge auf einen Server verlagern, den wir kontrollieren. Also entschieden wir darüber abzustimmen, ob wir für diesen Zweck ca. 500€ pro Jahr aufwenden sollen. Bevor die Abstimmung zu Ende war, sponsorte ein Teammitglied diesen Root-Server für uns. Vielen Dank dafür, wir wissen das zu schätzen. Da es bereits spät war, haben wir die verbleibenden 2 Topics auf das nächste Treffen verschoben.

OwnCloud als Alternative zu Dropbox und Co

Dropbox, Gdrive und der ganze Rest der Cloudhoster haben ein schönes Geschäftsmodell und es scheint für sie zu funktionieren. Auf der anderen Seite hatte Dropbox mehr als seinen gerechten Anteil an Sicherheitspannen und die Entwickler schienen dabei nicht immer auf der Herr der Dinge zu sein. Hinzu kommt beim Benutzen dieser Dienste, daß man private und sensitive Daten auf Server hochlädt, die (meistens) in den USA residieren. Das verursacht bei einigen von uns ein ungutes Gefühl.

Wie gewohnt gibt es eine Alternative für Linux: ownCloud wurde 2010 von KDE-Entwickler Frank Karlitschek gestartet und ist inzwischen bei der stabilen Version 4.07 angelangt, welche im Debian unstable Repository zu finden ist. OwnCloud ist in PHP und JavaScript geschrieben und benutzt eine {sqlite, mysql, postgresql}-Datenbank. Es gibt einen Webclient, der es für alle Plattformen inklusive Android und iPhone nutzbar macht. Außerdem gibt es eine Integration in den Desktop (wenigstens für KDE mit Dolphin) mit dem owncloud-client. Die Entwicklung von ownCloud war für meinen Geschmack gelegentlich ein wenig hastig, die Veröffentlichung von ownCloud 4 sicher ein wenig verfrüht. Jetzt, mit 4.04 in wheezy und 4.07 in sid dachte ich, ich gebe dem letzteren übers Wochenende mal eine faire Chance. Es gibt ebenfalls noch 4.5.x als git-Version für die ganz Tapferen. Da ich testen wollte, ob ich ownCloud in diesem Stadium für mich selbst produktiv nutzen kann, entschied ich mich für die 4.07.

Der V-Server, den ich für dieses Abenteuer benutze, läuft unter Wheezy. Also erweiterte ich die Quellen um sid und installierte owncloud und owncloud-sqlite von dort. Das Webinterface zu öffnen und etwas Konfiguration war eine Sache von Minuten. Alles, was manuell getan werden musste, waren einige Änderungen an /etc/php5/apache/php.ini. PHP hat als Voreinstellung ein Upload-Limit von 2MByte. Das muß geändert werden und ist gut dokumentiert, wie auch der Rest der ownCloud Features. Vergesst nicht, apache danach neu zu starten.

Auf meiner Arbeitsplattform zu Hause hatte ich ebenfalls 2 Quellen hinzuzufügen, um den owncloud-client hinzufügen zu können. Eine davon war einen Zeile für squeeze in meiner sid-Umgebung, was normalerweise keine gute Idee ist. Aber da es nur für libssl0.9.8 gebraucht wird, die gut mit libc6 aus sid zusammenarbeitet und keine anderen Abhängigkeiten hat, auf die man aufpassen müsste, ist das in diesem Fall so in Ordnung. Aber trotzdem: Kinder, macht das nicht zu Hause nach Smile. Die andere hinzugefügte Zeile war eine von Suse weil Debian den //owncloud-client// bis jetzt noch nicht ausliefert. Diese benötigte Zeile ist:

deb http://download.opensuse.org/repositories/isv:ownCloud:community/Debian_6.0/ /

Nachdem installieren der libssl0.9.8 explizit aus stable könnt ihr dann csync und owncloud-client installieren. Mit dem owncloud-client könnt ihr dann das Synchronisieren mit eurem Dateimanger einrichten (bisher nur mit Dolphin getestet).

Nachdem alles (upload, download,synching, sharing)  arbeitete, begann ich meine lokalen und Google-Kalender, sowie mein Adressbuch aus kontact, mittels akonadi und Webdav zu integrieren. Fünf Minuten später richtete ich ampache auf meinem Droid ein und ownCloud kann Musik aus der Wolke zu meinem Smartphone streamen. Amorok kann ebenfalls dazu überedet werden, Musik aus eurer Cloud zu streamen. All dies funktionierte innerhalb von Minuten ohne viel Mühe. Es gibt noch weitere Features, die ich noch nicht getestet habe, wie LDAP Integration.

Wie ihr wahrscheinlich bemerkt habt hatte ich eine Menge Spaß, mag ownCloud sehr gern und werde es produktiv anstatt Dropbox nutzen. Natürlich gibt es Raum für Verbesserungen in so einem jungen Projekt. Die Entwickler integrieren zu viel zu schnell und jetzt läuft der Bugtracker über. Probleme in die ich rannte waren ein langsamer Webclient der gelegentlich einfror (bisher nur mit Chromium getestet) und der owncloud-client, der falsche errors zeigte und so den sync blockte. Diese Dinge sind einfach zu umgehen, aber nichtsdestotrotz störend und werden hoffentlich bei 0.5 in Ordnung gebracht.

Meine Zusammenfassung: Die Bedürnisse an eure Cloud in die eigenen Hände zu nehmen ist gut investierte Zeit. OwnCloud wird hoffentlich noch einen langen Weg gehen.

Wenn dies euer Interesse geweckt hat, schaut euch mal die Features und Dokumentation an.

Vorbereitung auf 2012.2

Wie ihr bestimmt schon erraten habt, wenn ihr gelegentlich unser Forum besucht, ist ein neues Release in der Mache. Was wir bis jetzt haben ist ein Name. 🙂 Auch wenn sid wegen des Freeze ziemlich zahm ist, nennen wir es „Riders on the Storm“, geborgt von dem letzten Doors Album „LA Woman“. Danke, daß ihr euch an der Abstimmung in unserem Forum beteiligt habt. 2012 wird noch 2 Veröffentlichungen und zwei neue Desktop-Umgebungen sehen. Gut, nicht ganz richtig, da eines keine Desktop-Umgebung ist, sondern ein Release, dem genau diese fehlt. Es wird No-X heißen und das beschreibt es ziemlich genau. Das andere wird (hört, hört) Gnome werden, wohl in Version 3.6.x. Wir alle wissen, daß Gnome letzthin eine höllisch gute Zeit mit den Versuchen verbringt, sich selbst überflüssig zu machen, mit dem letzten und größten von Herrn Miguel de Icaza durch das Erwecken der allerbesten Flame-Monster.

Nichtsdestotrotz gibt es User, die das Flavour Siduction-Gnome haben wollen und sie werden es bekommen… Convbsd  ist zum Team gestoßen, um dies zu ermöglichen. Wir halten weiterhin Ausschau nach einem zweiten Maintainer, der Convbsd hilft, dieses Flavour auf lange Sicht zu warten.

Während des Kern Team Meetings Sonntag Nacht konnten wir uns bis jetzt nicht ganz einigen, wann wir was veröffentlichen. Was wir sicher wissen ist, daß beide neuen Flavours ein Entwickler-Release haben werden, bevor sie permanent in unseren offiziellen Releasezyklus aufgenommen werden. Als einen groben Termin für das Release 2012.2 haben wir die Tage um Anfang November genommen.

Die Ferientage zwischen den Jahren werden ein Überraschungs-Release irgend einer Art zu Gesicht bekommen. Die Entwickler-Releases der beiden neuen Flavours werden bis Ende des Jahres erscheinen. Das Kern-Team-Metting in zwei Wochen wird genaueres zu den besagten Terminen ergeben.

Persönlich bin ich sehr gespannt auf das Erscheinen von Razor-QT 0.5 in den nächsten Wochen. Ebenso wartet Qupzilla 1.3.5 mit neuen Funktionen hinter der nächsten Ecke. Wenn alles soweit in Ordnung ist, wird Razor-QT mit einem der nächsten beiden Releases in die siduction-Familie integriert.

Was gibt’s sonst Neues? Ein User fragte danach, 3 seiner Lieblingswerkzeuge paketiert zu bekommen und in das Repo zu integrieren. Dies war eine gute Möglichkeit klar zu machen, daß wir nicht die Möglichkeiten haben, jeden Wunsch den ein User hat, zu paketieren. Dies ist der Grund, aus dem es unser (bisher wenig) User-Repository gibt. Wir leisten gerne Hilfestellung, wenn ein Benutzer Probleme hat, etwas zu paketieren, aber wir werden ihm das nicht abnehmen. Wir haben einfach nicht die Zeit dazu. Wenn eine größere Nachfrage nach einem Paket aus dem user repository entsteht, werden wir es in Augenschein nehmen und es eventuell langfristig in Extra übernehmen.

Also bitte füllt unser User-Repository mit Leben und redet im Forum darüber, damit wir ihm das Fliegen beibringen können. Wir sind offen für Fragen und Anregungen.